Koh Phangan – Wonderland, Yoga und andere Bewusstseinsexperimente

Nach insgesamt 5 Tagen auf der Insel zieht es mich dann aber auch langsam wieder weg. Wohin als nächstes? Die am meisten aufkommende Frage dieser Reise. Koh Phangan und Koh Samui stehen zur Auswahl. Das schreit nach Fullmoonparty, betrunkenen halbstarken Anfang-Zwanzigern, nach Familienurlaub und nach einer Anhäufung von Deutschen, die ausgewandert sind. Das fällt mir zumindest spontan dazu ein, wenn ich diese Inselnamen höre. Da die Anreise nicht ganz billig war, beschließe ich, ein paar Tage auf Koh Phangan zu verbringen. Eigentlich bin ich nicht so der Inseltyp, ein paar Tage reichen mir vollkommen aus, dann möchte ich wieder weg. Aber da ich schon mal hier bin…

Yoga Retreat

Auf Koh Phangan wird viel Yoga und Meditation angeboten. Das kommt mir gerade recht und steht eh schon von Anfang an auf meiner Reise-Bucket-Liste. Ich buche 4 Tage in einem Yoga Retreat Center und erhoffe mir davon neue Inspiration, neue Denkanstöße und vor allem etwas mehr Ausgeglichenheit. Die letzten Wochen bzw. die ganze Reise über bin ich  trotz guter Zeit und vielen tollen Bekanntschaften immer wieder ins Wanken geraten, hatte viele schlechte Tage und hab mich an meinem Lieblings-worst-case-Zukunftsszenario festgebissen. Die letzten Wochen war ich mit einer Dauerkarte im Gedankenkarusell unterwegs. Dabei spielt es auch keine Rolle an welchem Flecken Erde man sich befindet. Man kann seinen Gedanken nirgends entfliehen. Es ist Zeit, mal wieder loszulassen zu üben und das Vakuum im Kopf aufzulösen. Auf so einer Reise wird einem – je länger diese andauert – immer mehr bewusst wieviel Scheisse man immernoch mit sich rumträgt, wie oft man sinnlos in der Vergangenheit herumstochert, überflüssige Gedanken denkt und sich damit selbst im Weg steht. Es ist allerhöchste Eisenbahn, hiermit endlich Schluss zu machen und Frieden zu schließen. Ach ja… ich frage mich manchmal schon, wie lange das jetzt noch dauert, bis der Frieden endlich eintrudelt… Man sitzt mit seinen Dämonen in einem Boot wie Schiffbrüchige. Ich fühle mich wie der Junge Pi aus dem Film „Life of Pi: Schiffbruch mit einem Tiger“ Life of Nancy: Schiffbruch mit sämtlichen Dämonen dieser Welt Hier erleidet der Hauptdarsteller zusammen mit einem Tiger und einigen anderen Tieren Schiffbruch. Der Tiger frisst alle Tiere und am Ende bleibt nur noch Pi und den Tiger. Die beiden teilen sich das Rettungsboot. Keine Chance zu entfliehen. Es gibt hier keine Komfortzone und keinen Halt. Man muss sich arrangieren und Frieden schließen. Kernsanierung im Geist. Meistens behandelt man nur die einzelnen Risse und sieht irgendwann von innen aus wie ein einziger Flickenteppich. Es ist mental ekelhaft anstrengend, seinen Geist kernzusanieren. Man muss sich dafür entscheiden, sonst wird das nix. Also hands up für Gedankenkontrolle und Seelenfrieden. Schluss mit dem Rumgenörgel. No excuses. The time is now.

Nancy im Wonderland

Wonderland Healing Center – Der Name klingt ja schon mal vielversprechend 😉

Volles Programm

Es gibt den ganzen Tag veganes und frisches Essen.

Ich nehme an 3 Kursen täglich teil. Der Tag beginnt 8 Uhr mit Yoga, mittags gibts Meditation und nachmittags/abends nochmal was anders. Ich probiere alles aus. Mir gefällt nicht alles. Z.b. Mantra-Meditationen, bei denen ein Mantra ca. 30 Minuten lang immer gesungen wird. Oder Kundalini-Yoga. Hier macht man eine Bewegungsabfolge ca. 30 Minuten lang.

Rebirthing

Am zweiten Tag steht ein Special an. Ein sogenanntes „Rebirthing“. Hierbei handelt es sich um eine besondere Atemtechnik, mit deren Hilfe man ins Unterbewusstsein vordringen kann und alte Glaubensmuster auflösen , verdrängte Gefühle an die Oberfläche holen und auflösen oder den inneren Raum ermöglichen kann. Das ganze dauert eine Stunde. Wir liegen hierbei auf unserer Yogamatte und starten mit einer leichten Meditation bevor wir uns mit Hilfe der Atemtechnik ins Universum beamen. Meine Finger und Glieder fangen an zu kribbeln und ich drifte davon. Es wird einem heiß und kalt und ich spüre wie sich die Energie im Körper bewegt bzw. bei mir vom Bauch in den Kopf steigt und ähnlich wie bei normalen Meditationen. Ich bekomme immer hier ein großes Druckgefühl im Kopf sowie Kopfschmerzen. Die Lehrerin sagte mir, das seien Blockaden, die sich bei regelmäßiger Meditation auflösen würden.

Jedenfalls ist das Rebirthing interessant. Man konzentriert sich auf die spezielle Atmung. Wenn man in sein Gedankenkarusell abrutscht, lenkt man den Fokus sofort wieder auf die Atmung. Man läßt die Gedanken einfach vorbeiziehen, als würde man eine Straße entlang fahren. Man hakt sich nicht an ihnen fest sondern läßt sie einfach vorbeiziehen. Ich lasse den Gedanken einfach Gedanken sein und fange nicht an, ihn zu Ende zu denken. Wir können durchaus selbst entscheiden was wir denken. Klingt einfach, bedarf aber einiges an Übung. Ich  komme zu einem Punkt, an dem ich meine Gedanken tatsächlich ohne Wertung beobachten kann. Ich komme mir vor als würde ich im Kinosessel sitzen und auf der Leinwand spielen sich die bekannten Kopfszenarien ab. Der Unterschied ist, dass ich diesmal nur Zuschauer bin. Ich fühle mich ziemlich schwindelig während dem ganzen Prozess. Das ist alles Energie, die schwingt und vibriert, erklärt mir die Lehrerin hinterher. Fazit: Ich fühle mich ziemlich gut und klar hinterher. Einige haben hier sehr krasse Emotionen durchlebt und während der Session auch geweint etc. Jeder hat es anders empfunden oder andere Dinge durchgemacht.

Soma Awakening

Das Soma Awakening ist ein Event in einem Yoga Studio im Dschungel, das ich mir am letzten Tag auf KP gönne. Hierbei wird die sogenannte intermittierende hypoxische Atmung praktiziert. Diese Art von Atemtherapie wird auch bei Sportlern angewendet oder bei Bergsteigern, die an den niedrigen Sauerstoffgehalt der Luft in großen Höhen gewöhnt werden (akklimatisieren). 

Hier geht es darum, in einen Zustand der Vorstellungskraft, des Flusses und der Entschlossenheit zu kommen, die emotionale Energie aufzuwecken, die Gesundheit zu verbessern und emotionalen Ballast loszuwerden. Die Methode wird angewendet, um Wünsche zu visualisieren und deren Erfüllung herbei zu manifestieren. Wir atmen in einem bestimmten Rhythmus zuerst in den Bauch, dann in den Brustkorb und anschließend in den Kopf ein. Normalerweise atmet jeder Mensch zuerst in die Brust ein. Im gleichen Rhythmus atmen wir auch wieder aus. Das ganze machen wir 40x. Danach atmet man einmal ganz tief ein und aus – und dann wird die Luft solange wie möglich angehalten. Die Session ist um ein vielfaches intensiver als eine normale Meditation. Man taucht tatsächlich in einen anderen Seinszustand ein. Man kann regelrecht zusehen wie die eigene Vorstellungskraft zu Hochtouren aufläuft und eine andere Realität kreiert. Natürlich halten wir nicht eine Stunde die Luft an, sondern wir wiederholen den Prozess über mehrere Runden. Es war schon ein bisschen crazy… auf eine faszinierende Art. Wer hier mehr dazu wissen möchte sollte mal ‚Soma Breathwork‘ oder ‚Soma Breathwork Protocol‘ googlen.

Awakening-Crowd

Back to Wonderland

Inklusive den Gesprächen und Geschichten der anderen Reisenden komme ich mir vor wie in einem Therapiezentrum. Es ist alles sehr schön und tut mir sehr gut. Lange kann ich dennoch nicht bleiben, da dieser Ort nicht wirklich in mein Backpacker-Budget passt. Nach fast 5 Tagen fühle ich mich tatsächlich verändert, erneuert und habe meine beiden schlimmsten Kompensationsangewohnheiten in Angriff genommen und bin dabei sie erfolgreich abzulegen. Es dauert 21 Tage um eine Gewohnheit zu verändern. Ich bin jetzt bei Tag 6. (zum Zeitpunkt des Eintrages) Ich hab das ein oder andere schon zu Hause und auch auf der Reise immer wieder versucht und nie geschafft. Warum es jetzt hier plötzlich klappt, ist mir unklar.

Man lernt hier nochmal neu reflektieren und geht durch seine ungeliebten Gefühle hindurch. Man fühlt sie einfach, anstatt davor davon zu laufen. Für mich eigentlich nichts neues, aber ich werde hier nochmal gründlich dran erinnert, und stelle fest, dass man sich selbst doch immernoch am besten verarschen kann 🙂 Es gibt immer irgendwo ein winzig kleines Kompensations-Schlupfloch. Der Name ist offensichtlich Programm: Wonderland Healing Center. Mein Geist ist leicht und beschwingt und ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt so in Balance und fokussiert war. Das Gedankenkarusell ist zumindest im Standby-Modus und ich schlafe seitdem nur noch 4-5 Stunden. Mönche schlafen auch sehr wenig. Nein…Ich möchte mich nicht mit einem Mönch gleichsetzen nur weil ich jetzt mal ein paar Tage meditiert habe! Ich habe gelesen, dass der geringe Schlafbedarf darauf zurückzuführen ist, dass Mönche nicht soviele Gedanken durch ihre Birne jagen wie wir. (ca. 60.000 pro Tag) Ich habe durch die letzten Tage einen Eindruck bekommen, was das bedeutet. Mein Geist ist klar, möchte jedoch auch den ganzen Tag beschäftigt werden – weil er ja nicht mehr mit den alten Gedanken und Szenarien beschäftigt ist. Vor allem abends/nachts zeigt sich das. So sitze ich seitdem die halbe Nacht an meinem Laptop und hacke meine Gedanken und Erkenntnisse wie eine Wahnsinnige in die Tastatur. Ich habe mittlerweile soviel auf dieser Reise geschrieben, dass ich vermutlich ein Buch daraus machen könnte. Was soll ich auch sonst mitten in der Nacht machen?! Die Leute im Dorm schlafen tief und fest, draussen gibt es nichts als streundende Hunde und Mosquitos. Die beste Zeit, um ein Buch zu schreiben 😉

 

 

Nancy Riedel

1 Comment

Antje Lippold

Hallo Nancy, habe seit langer Zeit mal wieder bei dir reingeschaut , ist alles immer noch sehr beeindruckend. Du schreibst echt gut und man kriegt wirklich ne gute Vorstellung von den Erlebnissen. Deine Bilder sind übrigens toll, bin richtig stolz auf mein Nicht`chen. Pass weiterhin gut auf dich auf und hab Spass ! Ach und verlange nicht zu viel, von wegen Seelenfrieden ,innerer Ruhe usw. Manche Scheisse die man mit sich rumträgt hat sich zu lange aufgebaut als das man sie in so relativ kurzer Zeit loswird. Also kein Stress….und schreib doch ein Buch ,warum nicht…Liebe Grüsse aus Pausa wir drücken dich

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