Mit dem Zug von Chiang Rai nach Koh Tao

Von dem Bedürfnis nach Sonne angetrieben, führt mich mein Weg vom Norden in Chiang Rai zurück nach Bangkok, Phetchaburi und Chumpon auf die Insel Koh Tao im Süden. Soll total schön sein. Da ich gerade mal wieder an Entscheidungslethargie leide, folge ich einfach gängigen Empfehlungen von Leuten, die mir auf meiner Reise begegnet sind. Das gute an meinem Reisestil ist, dass ich jederzeit gehen kann wenn mir ein Ort nicht gefällt. Also was solls. Ich folge den Mainstream-Empfehlungen und trete meine Reise auf die Insel an. Nicht zuletzt weil mich hier gute Gesellschaft mit der Holländerin Tanja erwartet, die ich in Pai kennengelernt habe. Auf meiner Reise habe ich festgestellt, dass mir Inseln prinzipiell alleine nicht taugen. Inseln sind überflutet von Gruppen, Paaren und Kurzzeiturlaubern. Natürlich gibt es auch einzelne Backpacker so wie mich, die trifft man jedoch seltener an. Mir machen Inseln in einer Gruppe oder zu zweit mehr Spaß. Also bin ich überglücklich, dass das Timing von Tanja und mir so gut passt.

Ich lege den ganzen Weg mit den öffentlichen Bussen und Bahnen zurück und ziehe mich in die Anonymität unter die Einheimischen zurück. Die Anreise nach Koh Tao dauert auf diesem Wege 3 Tage. Ich wähle diese Verkehrsmittel bewusst aus. Mir ist irgendwie danach. Ich habs gerade nicht eilig und es ist günstiger als ein Flug.

Die Busfahrt von Chiang Rai nach Bangkok quer durch das Land dauert 12 Stunden. Ich war ich die einzige Europäerin an Bord. Ich habe mich mittlerweile dran gewöhnt, das „schwarze Schaf“ zu sein. Das Schaf, das kein thailändisch kann. Ich habe beim Einstieg noch ein paar Fragen bezüglich der Endhaltestelle, doch es ist hoffnunglos, Antworten zu bekommen. Sprachbarriere. Auch mit Google-Translate habe ich nicht das Gefühl, dass mich der Busfahrer verstanden hat. Er kuckt mich immernoch verwirrt an.

Es gab einen Mittagsstop, bei dem alle eilig aus dem Bus gerannt sind, binnen 10 Minuten ein Reisgericht in sich reingeschaufelt haben und wieder auf den Bus aufgesprungen sind. Als ich mir noch einen Toilettenbesuch gegönnt habe und herauskam, ist der Bus gerade losgefahren. Stop, nehmt mich mit! Ich schwöre, dass der ganze Stop nicht länger als 10 Minuten gedauert hat. Ich fühle mich gehetzt. Ich sprinte panisch auf den Bus zu und er hält an. Scheinbar hat jemand bemerkt, dass noch eine Person fehlt. Was für ein Glück. Nochmal wird mir das nicht passieren, da das der einzige Stop auf der 12-stündigen Fahrt war.

Zugfahrt nach Phetchaburi

Ich mache einen Stopover in Bangkok und springe am nächsten Morgen in den Zug nach Phetchburi. Phetchaburi ist ein beschaulicher, idyllischer Ort. Hier ist nicht viel los. Ich habe das Gefühl, dass kein Westerner jemals diesen Ort vor mir betreten hat. Die Leute schauen als komm ich vom anderen Stern. Es stört mich aber diesmal nicht. Sie schauen auf eine zurückhaltende Art, dass sich nicht in malayisch-penetrantes Starren entwickelt. Ich fühle mich nicht unwohl oder bedrängt, so wie in Malaysia. Die Thais versprühen einfach good vibrations. Alles ist gut. Eine Zugfahrt durch Thailand sollte man auch auf jeden Fall mal gemacht haben. Eine Klimaanlage gibt es nicht und das ganze ist wie ein Bazar. Alle paar Minuten rennt jemand mit einer anderen Speise zum Verkauf durch den Gang. Es wird einem alles angeboten: Säfte, Reisgerichte, Smoothies, Nüsse, Obst und noch zahlreiche Dinge, die ich nicht identifizieren kann. Es ist erstaunlich, wie die Thais sich um das leibliche Wohl der Zugfahrenden sorgen. Die Fahrt dauert 3 Stunden. Gegenüber von mir sitzt eine thailändische Frau mit ihrer Tochter. Wir kommen ins Gespräch. Unfassbar, doch sie spricht deutsch! Sie erzählt mir, dass sie seit 8 Jahren in Österreich lebt, dort verheiratet ist und gerade mit ihrer Tochter Verwandte in Thailand besucht. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Ihr Deutsch war ausgezeichnet.

Hauptbahnhof Bangkok

Hauptbahnhof Bangkok

Hauptbahnhof Bangkok

Zugfahrt durchs Land

In Phetchaburi fährt man grundsätzlich zu dritt Roller. Es gibt viele Tempel und Affen. Der Ort versprüht eine gemütliche Atmosphäre. Ich habe das Hostel für diese eine Nacht für mich allein. Ich esse eine spicy noodle soup, mache etwas Tempelsightseeing und hacke stundenlang meine Gedanken in meinen Laptop. Gegenüber vom Hostel gibt es einen schönen großen grünen Park, der geradezu zu einem Workout einlädt. Ich genieße einen ruhigen, anonymen Tag in Phetchburi.

Parkanlage

Parkanlage mit Tempel

Mönche beten im Tempel

Chumpon

Am nächsten Morgen geht es weiter mit dem Zug nach Chumpon. Die Zugfahrt dauert 6 Stunden und mich erwartet das gleiche Unterhaltungsprogramm wie gestern. Alle möglichen Speisen und kein einziger Europäer. Ich genieße die Fahrt.

Zug-Köstlichkeiten

Koh Tao

Am nächsten Morgen fahre ich mit der Fähre nach Koh Tao. Ich stehe um 5 Uhr auf, schlürfe meinen Kaffee und dann gehts auch schon los. Auf Koh Tao erwartet mich endlich wieder thailändischer Touristenwahnsinn. Kontrastprogramm zu den letzten 3 Tagen. Europäer wie Holländer, Spanier, Deutsche, Engländer sind hier eindeutig in der Überzahl. Die Anonymität ist vorbei und ich bin wieder eine von vielen. Der Hafen ist stressig, jeder will mir ein Taxi anbieten. Überall hört man vertraute Sprachen wie deutsch, englisch spanisch oder italienisch. Der ständige Switch zwischen Idylle und Tumult fordert mich immernoch heraus. Nichts ist auf so einer Reise konstant. Nicht mal man selbst. Ich darf für 3 Tage bei Tanja im Hotel wohnen. Hostelmadness Ade!

Wir mieten einen Roller und erkunden die Insel. Wir steuern ein paar Aussichtspunkte an und Schnorcheln. Tanja verbringt 5 Wochen in Thailand und möchte natürlich nichts auf der Insel auslassen. Ich hingegen bin mittlerweile relativ gleichgültig geworden, was Sightseeing im Allgemeinen angeht. Ob ich jetzt 1 oder 5 Tempel anschaue oder keinen, 1 oder 5 Aussichtspunkte anfahre oder 1 bzw. 5 Strände sehe… ich bin da sehr schmerzbefreit und mit allem zufrieden. Ich passe mich einfach an. Schnorcheln ist hier ein tolles Erlebnis! Wir finden ein paar sehr schöne Buchten und das Unterwasserleben ist sehr beeindruckend. Wir sehen den ein oder anderen Babyhai. Ich bin sehr beeindruckt und kann mich an der bunten Fischvielfalt gar nicht sattsehen.

Ansonsten ist die Insel touristisch, auch in der Regenzeit und Nebensaison. Mit dem originalen Thailand hat das hier nichts zu tun. Es ist dennoch schön, die Sonne scheint zumindest ein paar Stunden am Tag und ich brauch erstmal nichts für die nächsten Tage zu planen und zu organisieren.

Viewpoint Koh Tao

Moby Dick – Fels

Weiter nach Koh Phangan

Nach insgesamt 5 Tagen auf der Insel zieht es mich dann auch langsam wieder weiter. Wohin als nächstes? Koh Phangan und Koh Samui stehen zur Auswahl. Da die Anreise nicht ganz billig war, beschließe ich, noch ein paar Tage nach Tanjas Abreise auf Koh Phangan zu bleiben. Wenn ich schonmal da bin. Leider regnet es 2 Tage beinahe durchgehend.