Painting @ Century Bay Penang

Von heute auf morgen wird in Penang überraschend die Location gewechselt. Nachdem ich einen ganzen Tag lang „arbeitslos“ bin und ich mich deshalb schon wieder dem Rande des Nervenzusammenbruchs genähert habe, frage ich nach, wie das jetzt weitergehen soll. Man muss hier schon am Ball bleiben. Wenn man nichts zu tun hat, ist Penang nicht die Stadt meiner Wahl für einen längeren Aufenthalt. Vor allem nicht Georgetown. Es ist neu, cool und aufregend für 2-4 Tage. Weltkulturerbe, Sightseeing abklappern, Laksa essen und die Streetartmeile durchqueren…mehr gibt es hier eigentlich nicht zu tun als Tourist. Ach ja, man kann zum Penang Hill fahren oder noch paar Tage am Monkey Beach an der Nordwestküste der Insel verbringen. Im Zentrum hat man auf jeden Fall nach Ablauf dieser Zeitspanne mehr und mehr mit Fluchtattacken wegen Gewusel, Abgasen und typisch chaotisch malayischem Verkehr zu kämpfen. Meine Motivation, durch die Straßen Georgetowns zu laufen ist wegen permanenten penetranten angestarrt-werdens sowieso auf ein Minimum abgeflaut. Es ist krasser als krass…Von allen Orten, die ich bisher besucht habe, schießen die Penanger wirklich den Vogel ab. Sie gaffen einen aus dem fahrenden Auto heraus an (oder verdrehen sich auf dem Roller den Kopf um 180°) und man muss Angst haben, dass man durch seine bloße Anwesenheit auf dem Bürgersteig zum Unfallversucher wird. Sie bleiben teilweise auf dem Fussweg stehen, um dich anzustarren und checken dabei nicht mal, dass sie einfach nur im Weg sind. ‚Ich bin Deutsche, ich hab viel zu tun und habs eilig!‘ Während dem Painting am Eingangstor kommen die Leute bis auf einen Meter an mich heran und bringen mich komplett aus dem Fokus mit ihrer Gafferei. Fremde Menschen möchten teilweise ein Foto mit mir machen und ich komme mir vor wie eine gejagte Prominente, wenn ich zur Türe rausgehe. Kein Witz. Wehe dem man schaut im Gym mal jemanden versehentlich an, so wird das sofort als Aufhänger für eins meiner Lieblingsgespräche „Where you from… a Germaniiiii“ verwendet. Während ein anderer von solch einer Aufmerksamkeit träumt, geht sie mir einfach nur tierisch auf die Nerven und mein Stresspegel in Georgetown ist exorbitant hoch. Man muss sich seine Privatsphäre erst verdienen.

Jedenfalls werde ich gefragt, ob ich die Wand in Century Bay bemalen möchte. Century Bay ist ein weiteres Hotel vom Kim Haus-Manager. Er schickt mir ein Foto und ich sage pauschal einfach mal ja …Ich weise darauf hin, was noch alles benötigt wird. Mehr Farbe, ein Gerüst, ein Transport und…  meine Unterkunft. Wir rennen also zusammen los, besorgen die Farbe und besichtigen die Wand. Das alles innerhalb eines Tages zu organisieren, war ein Kampf und nach einigen Stunden wuseliger Organisationsarbeit mit den Malaien fühl ich mich wie vom Zug überfahren.

Umzug nach Century Bay

„Hauted“ Century Bay befindet sich etwas ausserhalb vom Penanger Zentrum, ca. 10 km von Georgetown entfernt. Das Hotel bietet voll ausgestattete Appartments/Suiten an und ist beliebt bei Familien und Paaren – Bingo! Die anfänglich aufkommenden beklemmenden Gefühle aufgrund der Lage des Hotels, einem ganzen Stockwerk für mich allein und der -bis auf die Angestellten- menschenleeren Anlage, verfliegen zum Glück am ersten Abend. Es gibt noch andere Gäste. In der Gegend befinden sich etliche Hochhäuser, die zumindest von aussen heruntergekommen aussehen. Der Ausblick zeigt die Stadt, wie sie nun mal ist. Der brökelnde Anstrich der umliegenden Häuser erweckt in mir ein Ghettofeeling. Man sieht keine Menschenseele und wenn ich hier oben in der Dusche ausrutsche wird es ganz sicher niemand mitkriegen. Geisterstadt-Feeling gesellt sich mit dazu. Ich komme mir vor wie Jack Nichelson in „Shining“ und bin mir sicher nach einigen Tagen in hoffnungslosen Wahnsinn zu verfallen und mir eins meiner Ohren abzuschneiden. Vorher würde ich Zwillinge auf dem Gang sehen und von meinen übergroßen Painting-Gesichtern durch die Nacht gejagt werden.

Als Haus- und Hofmaler bekomme ich meine eigene Suite mit 2 Bädern, 3 Schlafzimmern, 1 Wohnzimmer und einer vollausgestatteten Küche im 9. Stock for free. Jackpot! Ich schließe schnell Frieden mit der Umgebung. Century Bay ist hier die Perle in der Gegend und sehr beliebt und gut besucht wie sich in den folgenden Tagen immer mehr herausstellt. Nach einigen Tagen im wuseligen und lauten Georgetown ist das hier eine willkommene Abwechslung. Privatsphäre du hast mich wieder.

Wallpainting

Am gleichen Tag geht’s auch schon los mit dem Gerüstaufbau. Parvis hat das Ding Ruckizucki aufgebaut und ich kann loslegen. Sieht zunächst ziemlich einschüchternd aus… diese Wand… jenseits vom Foto auf meinem Smartphone. Das hier wird mein bisher größtes Painting werden. Ich erinnere mich, wie ich nach dem Wallpainting „Impressions of Melaka“ noch gewitzelt habe, dass ich nun für eine Hausfassade bereit wäre… kleine Wünsche erfüllt der liebe Gott fast sofort. Da es sich bei meinem Motiv nicht um eine übergroße Stadtansicht in der Perspektive handelt, sehe ich dem ganzen relativ gelassen entgegen. Warum sollte es denn nicht klappen?

Parvis baut das Gerüst auf

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Nach einigen Tagen schweißtreibender Arbeit auf dem Gerüst bei voller Sonneneinstrahlung ist es dann auch schon vollbracht. Es ist natürlich echt beschissen, wenn man in dieser Größenordnung nachträglich nochmal was verändern will, einem nachträglich etwas nicht gefällt oder gewisse Gesichtsmerkmale schlicht und ergreifend falsch rauskommen. Es gibt keinen überdimensionalen Radiergummi oder „Strg-Z“ (der Grafikerberuf hinterläßt Spuren). Learning by doing. Ich möchte mehr hiervon haben!

Painting für die Outdoor-Area

Das Hotel verfügt ausserdem über einen Basketball- und Badminton-Court. Hier wird noch ein weiteres Bild auf einer ca. 2x2m großen Wand gemalt. Dunk!

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Das Hotel

Es gibt einen großen Pool, ein Gym und eine kleine Crossfit-Station! Whoop Whoop! Ein ordentlicher Supermarkt ist leider 2 km entfernt und in der näheren Umgebung gibt es nur die üblichen Snack-Shops. Eigentlich werden mir auch Mahlzeiten zur Verfügung gestellt. Es gibt zum Frühstück Toastbrot, Cornflakes und Marmelade und zum Abendessen kann ich mir Burger und Fries bestellen all I can eat. Ja, soll ichs wirklich machen oder lass ichs lieber sein? Zwei Wochen in Century Bay und mein gespartes Geld kann ich dann in neue Klamotten investieren, weil die alten zwicken! Ich bin sowieso die letzte Zeit etwas „flauschig“ geworden…zulange „Allein-Phasen“ machen flauschig 😉 Ich weiß das großzügige Angebot vom Manager zu schätzen, bin aber mit der Unterkunft und Kaffee all I can drink vollkommen zufrieden und mache einen Großeinkauf im Supermarkt. Ich hab ja jetzt auch einen Kühlschrank und einen Herd – der reinste Luxus als Traveller. Klock-Klock Home sweet Home Feeling steht vor der Tür.

Crossfit-Station mit Motivationsvideos

Gym

Pool

Aussicht vom 9. Stock

Heimelig

Suite No. 901