Bangkok und KL #2/Meeting of the Styles 2018

Die nächsten Wochen werde ich das traveln nun endgültig für einige Zeit unterbrechen. Ich habe einige Wall Murals in Georgetown/Penang zugesagt, werde mich dort die nächsten Wochen niederlassen und sowas wie ein „Berufsleben“ haben. Daily Routine! Ich freu mich! Solange man etwas macht, was man liebt, kann man das auch jeden Tag machen bis ans Ende aller Zeit. Ich setze mir den Fokus absichtlich auf eine solch routinierte Zeit. Was die Kunst und das Malen angeht, klappen die Dinge hier erstaunlich einfach. Ich muss im Prinzip nur fragen, ob Interesse besteht und bekomme nicht selten ein Ja.

Wie habe ich diesen Auftrag gefunden?

Bei meinem ersten Aufenthalt in Penang, war das ganze zunächst kein Selbstläufer wie in Melakka. Ich musste in irgendeiner Art und Weise aktiv werden, wenn ich was machen wollte. Ich habe nach einigen Tagen Hostels/Hotels per Email angeschrieben und ihnen meine Reise und meinen Plan in wenigen Worten erklärt. Ich habe schlicht und ergreifend gefragt, ob sie Interesse haben, ein Wall Mural in ihrem Haus machen zu lassen zu den üblichen Workaway-Konditionen. D.h. das Hostel oder Hotel stellt mir für die Dauer meiner Arbeit ein Einzelzimmer und teilweise Verpflegung zur Verfügung. Das ist der Deal. Die Erfahrung die ich hier machen darf, ist sowieso unbezahlbar.

Bangkok Stopover Nr. 2 und ein neues Level in Sachen „Sprachbarriere“

Zunächst kehre ich nach 6 Tagen auf Koh Chang zurück nach Bangkok und von hier aus zurück nach Kuala Lumpur. An meinem letzten Abend in Bangkok bin ich tatsächlich mit der Situation konfrontiert, aufgrund einer unüberwindbaren Sprachbarriere kein Dinner im Restaurant bestellen zu können. Ich bin in einer Gegend gelandet, wo sämtliche Menükarten in thailändisch ausgeschrieben sind und ausserhalb vom 7/11 Supermarkt niemand der englischen Sprache mächtig war. Lost in Bangkok!

Meine Unterkunft zu finden ist eine Herausforderung. Ich weiß, dass sie 3,5 km vom Flughafen entfernt ist. Bei meiner Ankunft in Bangkok ist mein Internet-Guthaben auf meiner SIM-Karte aufgebraucht und für den einen Abend wollte ich nicht nochmal ein Top Up machen. Ich kann also nicht via Google Maps zu meiner Unterkunft laufen. Jemanden nach dem Weg oder nach gewissen Unterkünften zu fragen, ist sinnlos. Ich tue es trotzdem genau einmal – und es war sinnlos. Es ist Energieverschwendung und Zeitvergeudung. Die naheliegenste Option ist also das Taxi. Der Taxifahrer spricht kein Englisch, ich kein thailändisch. Ich halte ihm mein Smartphone hin mit der Adresse von meiner Unterkunft in englisch und in thailändisch. Nach einigen hoffnungslosen Verständigungsversuchen fängt er an, wild rumzutelefonieren. Ich stehe die ganze Zeit zum Beifahrerfenster reingelehnt mit meinem Backpack da und schaue das Drama schweigend und in einem Anflug von Resignation an. Schweiß rennt mir die Beine und die Stirn runter. Ich wusste, dass es nichts bringen würde, ein anderes Taxi zu suchen. Ohne diesen Taxifahrer würde ich meine Unterkunft vermutlich nie finden. Irgendwann reicht er mir das Telefon und ich spreche mit einer Dame, die mich auf englisch nach dem Namen meiner Unterkunft fragt. Darauf hin erklärt sie das dem Taxifahrer. Nach endlosen 20 Minuten winkt mich der Taxifahrer endlich ins Taxi. Er macht das Daumen-Hoch Zeichen und fährt los. Mit der Tatsache, dass  sich Taxifahrer hier irgendwie auch nicht besser auskennen als du selbst, komme ich bis heute noch nicht klar. Das zieht sich durch alle asiatischen Länder, die ich bis jetzt bereist habe. Das nächste Mal mache ich vielleicht doch wieder ein Top Up für meine leere SIM-Karte und laufe mit Google Maps…Spart Geld und Nerven. Am Ende wird ja dann doch alles gut und ich bin sehr dankbar, dass das ganze so ausging. Er hätte auch einfach weiterfahren können.

Purple Train, Bahnhof Bangkok

Unklimatisierter Zug Bangkok

Meeting of the Styles 2018 Kuala Lumpur

Die Nacht ist kurz, Großstädte machen mich immer wuselig und lassen mich nicht einschlafen. 5:30 klingelt mein Wecker für den Flug nach Kuala Lumpur. Whoop Whoop! Ich freue mich! An jenem Wochenende wird das Graffiti Festival „Meeting of the Styles 2018“ stattfinden. Ich bin am Freitagabend erstmal mit Yazu, einem Freund vom Besitzer des Hotels in Penang, in dem ich male, zum Farben kaufen verabredet. Gleichzeitig findet im einzigen Graffiti Shop KL’s das Meet and Greet zum Festivalauftakt statt. Es gibt Graffitifarben a la Montana nämlich nur in KL. In Penang siehts schlecht aus. Das leidige Thema hatten wir ja schon…und er kennt die Problematik mit den nicht deckenden, siffenden Farbdosen … also kaufen wir hier ordentlich ein.

District Gallery Shop Kuala Lumpur

District Gallery Shop Kuala Lumpur

District Gallery Shop Kuala Lumpur

Für meinen Aufenthalt wähle ich diesmal keine Spacekapsel, sondern ein Einzelzimmer in einem zentral gelegenen Homestay. Myrrah, eine 27jährige Malaysierin hostet die Unterkunft. Sie ist einen Kopf kleiner als ich und gerade im 6. Monat schwanger. Ich bin sehr überrascht, dass sie ihr Homestay mit 4 Zimmern alleine stemmt. Ihr Freund ist ein Deutscher, jedoch gerade in Deutschland. Wir haben gleich einen Draht zueinander und ich fühle mich eher wie zu Besuch bei einer Freundin, als bei einer Fremden. Wir führen viele gute Gespräche während meinen 4 Tagen in KL.

Am nächsten Morgen fahre ich zum Festival. Ich war hier bereits bei meinem ersten Aufenthalt. Entlang des Klong Rivers kann man zahlreiche Graffitis bewundern. Es ist allerdings erstaunlich wenig los. Es sind definitiv mehr Künstler als Zuschauer da. Ich habe Menschenmassen erwartet, laute Musik, vielleicht ein paar Stände mit Drinks, Snacks und einen DJ. So würde es zumindest in Deutschland aussehen. Eine tobende Crowd! Es gibt auch kein Schild, dass von der Straße aus darauf hinweist, dass hier gerade ein paar Masterpieces entstehen. Es wirkt fast so, als möchten die Jungs unter sich bleiben. Das ganze wirkt eher wie ein großes gemütliches Get together und nicht wie ein internationales Festival. Es sind ca. 60 Künstler am Werkeln.

Ich unterhalte mich ein dem ein oder anderen bekannten Gesicht vom Abend zuvor. Es kommt die Frage auf, ob ich auch zum malen hier bin. Ich verneine, da mir das hier alles auch eine Hausnummer zu groß für mich erscheint. Die Wildstyle-Pieces, die hier gerade in der Mache sind, lassen mich in einer Staubwolke der Bewunderung gnadenlos zurück. Mal abgesehen von meinen aufziehenden Selbstzweifeln habe ich nicht zufällig einen Rucksack voller Farben dabei. Die bereits gekauften sind ja für des Projekt in Penang. Einer der Sprayer sagt mir, wenn ich was malen möchte soll ich zu XY gehen und führt mich ohne meine Antwort abzuwarten ein paar Meter weiter zu Boris (Er heißt nicht Boris, aber ich verstehe seinen Namen so). Ich frage einfach mal nach, wie das so abläuft, wenn man denn etwas malen möchte. „I can give you a wall if you want“ und plötzlich bin ich mittendrin. Ich erkläre ihm, dass ich gerne würde, jedoch nicht registriert bin und keine Farben habe. Scheint alles irgendwie kein Problem zu sein. Mangelnde Spontanität kann man den Malaysiern nicht vorwerfen! Er hat ein paar Dosen im Auto, sagt mir, dass er eine Wand vorbereitet und mich später nochmal zurückruft.

Tatsächlich bekomme ich am Abend einen Anruf von Boris und die Sache ist klar. Also wird gemalt! Ich mache mir ein Scribble und muss berücksichtigen, dass mir nicht alle Farbe der Welt zur Verfügung steht. Ich habe abgesehen vom Schwarz und Weiß nur 2 – türkis und pink.

Am nächsten Tag mache ich mich extremst aufgeregt auf den Weg. Boris zeigt mir meine Wand und schon kanns losgehen. Am Ende des Tages hab ich eine weitere Fußspur in Kuala Lumpur hinterlassen und wieder eine neue Erfahrung gesammelt. Schon ziemlich aufregend gerade… man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke wartet.

Mehr Fotos von den fertigen Pieces könnt ihr hier anschauen:

https://www.facebook.com/ekamilphoto/media_set?set=a.1713459012108722.1073742212.100003339186770&type=3

oder auf Instagram unter: meetingofstylesmalaysia –> Check it out!

Fröhliche Nachbarschaft

Photo by https://www.facebook.com/ekamilphoto

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„Birdy“

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