Tioman – zwischen Ramadan, Idylle und Sandfliegen

Vorab

Tioman wird als eine der schönsten Inseln von Malaysia, ja sogar eine der 10 schönsten weltweit, gefeiert. Sie gilt als Malaysias „Abenteuerinsel“ mit zahlreichen Tauch-, Schnorchel- und Trekkingmöglichkeiten. Sie liegt ca. 2 Stunden mit der Fähre von Mersing im Osten von Westmalaysia entfernt. Generell werden die Inseln an der Ostküste mehr angepriesen, als die an der Westküste. Tioman ist ausserdem ein beliebter Wochenendausflugsort für Einheimische und Singapurianer. Ich möchte die Schönheit dieser Insel betonen, die im folgenden Bericht nicht so wiklich rüber kommt – im Nachhinein betrachtet, hatten die Insel und ich einfach nicht das beste Timing. Ich biete einfach mein Empfinden an, und möchte die Insel damit nicht verurteilen.

 

Ankunft auf „Adventure-Island“

Ich komme nach einer insgesamt 8-stündigen Anreise von Malakka aus mit Bus und Fähre gegen 16 Uhr in Air Batang (Kurz ABC) im Norden Tiomans an. Der Teil der Insel wird für Backpacker empfohlen, da es hier die größte Unterkunftsauswahl gibt, einige Cafés, Bars und Restaurants, was wohl nicht überall auf der Insel der Fall ist. Der erste Eindruck gefällt mir nach 3 Wochen in der Stadt gut. Weißer Strand, türkisblaues Wasser, dahinter hügelige Wald- und Dschungelabschnitte. Der etwa 5 m breite Strandabschnitt wird durch einen 1 m breiten Weg von den Chalets getrennt. Alles wirkt erstmal sehr idyllisch, klein und vor allem ruhig. Hinter den Bungalowanlagen gehts dann auch schon los mit dem Dschungel. Da für die Insel nur die Resort-Unterkünfte online buchbar sind, muss ich mir meinen Schlafplatz erst noch suchen. Ich folge den Beschilderungen „Chalets“, frage nach dem Preis und lasse mir die Behausungen zeigen. Nach einigen Anfragen muss ich einsehen, dass eine einigermaßen ausreichende Behausung mit AC um die 90 RM Minimum beträgt. Die Summe habe ich die letzten 3 Wochen teilweise nicht mal an 2 Tagen ausgegeben. Die Insel ist im Gegensatz zum Festland um einiges kostspieliger. Man hat zwar viele Hütten zur Auswahl, jedoch von ähnlicher Qualität und ähnlichem Preis. Die Chalets sind sehr einfach ausgestattet. Nach meinen letzten Tagen im Gästehaus, muss ich meinen Anspruch hier erstmal wieder runterschrauben. Die Resorts weiter im Süden und an der Ostküste der Insel kommen preislich nicht in Frage. Ich bin glücklich, dass ich eine – sehr profane- Dusche und ein sauberes Bett habe. Es herrscht Ramadan.

Weg durch ABC; Bild von Google

Runter mit dem Anspruch 😉

Ramadan

Ramadan fing schon am 17. Mai an, doch in Malakka hat man davon nicht viel gemerkt. Hier dafür umso mehr. Nach meiner Ankunft laufe ich eine Weile an geschlossenen Strandbars etc. vorbei bevor ich zu einer geöffneten komme. Hier treffe ich eine Französin, die mich aufklärt, dass in der Ramadanzeit hier erst ab 19:30 geöffnet wird. Wenn überhaupt. Das variiert von Tag zu Tag. Sie erzählt mir sofort was von den guten „Vibes“ hier oben in ABC und dass das der schönste Teil der Insel ist…es hat mich bis jetzt noch nicht vom Hocker gehauen und die Vibes kommen auch nicht bis zu mir durch…ich bin einfach nicht empfänglich im Moment.

Ich merke, wie mich diese Ramadan-Unterkunft-Ruhe-Kombi irgendwie stresst. Ich bin mir dessen bewusst, schaffe es aber nicht, mir ein positiveres Gedankenkostüm anziehen.

Am nächsten Morgen finde ich eine Bar, die ab 10 Uhr Kaffee und Frühstück serviert. Der Kaffee wird in Teebeutelform mit einer Runde zuckriger Kondensmilch serviert. Es gibt hier nichts zu meckern. Die Speisekarte bietet alles von Früchten über Omlette bis hin zu Reisspeisen. Ein unverhofftes Frühstück bessert meine Laune schlagartig. Ich laufe ins nächste Dorf Kampung Tekek – das Zentrum der Insel. Auf dem 4 km langen Weg, der sich allmählich zu einer schmalen Straße entwickelt, sinkt die Laune dann aber genauso allmählich wieder. Hier passiert nicht viel. Es sieht eigentlich schön aus, paradisisch, aber alles wirkt verlassen als wären hier schon jahrzehntelang keine Menschen mehr gewesen. Ein bisschen wie eine Geisterstadt. Zudem ist es brütend heiß. Ich bin vielleicht auch einfach der einzigste Idiot, der durch die frühnachmittagliche Sonne spaziert. Die meisten Tauchen hier.

Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

In Tekek ist dann tatsächlich sowas wie Leben zu verzeichnen. Die Schule ist scheinbar gerade zu Ende und Eltern holen ihre Kids mit dem Roller ab. Richtig Verkehr auf einmal. Ich bin hier ein regelrechter Blickfang, fühle mich fremd und unbehaglich. Als europäische Frau mit Tättoowierungen habe ich mich nach fast 2 Monaten in Asien schon ans Gegaffe gewöhnt, hier fühlt es sich aber anders an. Ich kann keine guten Vibrations empfangen. Es gibt einen Duty Free Shop und einen kleinen Supermarkt mit den üblichen Snacks. Der Preis für Wasser schnalzt hier von 1 RM auf dem Festland auf 4 RM pro Flasche nach oben.

The Beach

Ich verbringe den restlichen Nachmittag zusammen mit den Moskitos und Sandfliegen am Strand bzw. ich versuche es. Es könnte so schön sein, aber die Viecher stechen aggressiv und ich packe nach 1 Stunde mein Handtuch wieder zusammen. Die Stiche der Sandfliegen sehen zunächst harmlos aus, werden jedoch nach 2-3 Tagen immer dicker und fangen mordsmäßig an zu jucken. Meine Beine sehen trotz Moskito-Schutz mittlerweile echt schlimm aus.

Es sind 1 Dutzend Touristen unterwegs und gelegentlich heizt mal ein Local mit dem Roller umher. Ich ziehe in Erwägung, dass allzu ruhige Bereiche dieser Erde vielleicht einfach nicht so mein Ding sind. Ich versuche für mich selber zu erörtern, was ich denn jetzt genau hier auszusetzen habe und warum das hier nicht läuft…gerade wenn man an einem Ort ankommt, von dem jeder schwärmt wie toll er doch ist. Wie wichtig doch die Basics wie Unterkunft und Verpflegung für mich geworden sind. Gerade wenn man solange unterwegs ist, ist das die einzige Komfortzone die man hat. Der permanente Wechsel der Umstände fordern mich definitiv heraus. Die Nächte hier sind von zahlreichen Geckoschreien innerhalb und ausserhalb des Chalets gezeichnet. AAAAH! Ich weiß, dass die kleinen putzigen Nackedeis harmlos sind. Ich bekomme trotzdem jedesmal eine Gänsehaut, wenn ich in meinem Bett liege, das Vieh rumschreit und ich genau weiß, dass es in einer Ecke unter meinem Bett sitzt oder über die Wand läuft.

Vielleicht läufts im Dschungel?

Ich plane für den nächsten Tag die Dschungelwanderung zu Kampung Juara. Hier wird man nach 7 km mit dem schönsten Strand der Insel belohnt. Eigentlich wollte Megan, meine französische Chaletnachbarin mitkommen, hat dann aber doch nicht geklappt. Schon beim ersten Waran, der vor mir über den Weg rennt, bekomme ich erste Zweifel…auch diese Tiere sind scheu und erschrecken eher vor dir, als du vor ihnen. Im Endeffekt drehe ich nach 10 Minuten wieder um. Ich möchte hier nicht alleine durchlaufen.

Gegen späten Nachmittag geht mir das Wasser aus. Die Strandbar vom Tag 1 hat heute nicht geöffnet. Also Wasser bis 19:30 einteilen. Vor meinem Chalet toben die Makaken. Wenn man denen zu nahe kommt, rennen sie in einem Affentempo (haha) auf einen zu.

Tiong, Vogelstatue der Insel – nach dem Vogel wurde die Insel benannt

Fazit

Für mich steht fest, dass ich nach 3 Nächten nicht mehr länger hier bleiben möchte und verlasse die Insel mit der nächsten Fähre. Ich finde es schade, da ich wirklich glaube, man kann hier eine gute Zeit haben. Für mich haben sowie die Umstände als auch mein persönlicher Gemütszustand zum Zeitpunkt nicht harmoniert. Die Insel hatte unbewusst nach den ersten Minuten einen Eindruck hinterlassen, den ich für die kommenden Tage nicht mehr abschütteln konnte. Im Endeffekt liegt es immer an uns selbst, was wir aus so einem Aufenthalt machen und nicht am Ort bzw. an der Insel.